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Herbstlicher Rhein-Taunus

Die Frankfurter Buchmesse ist ein Muss für alle in der Buchbranche, so natürlich auch für meine Frau. Es war also wieder soweit, dass wir einen wochenendlichen Termin mit Outdooraktivitäten verbunden haben.

Samstag früh ging es in Leichlingen auf die Autobahn und zwei Stunden später in Frankfurt am Main wieder runter. Wider Erwarten war die Anfahrt super unspektakulär und auch der Verkehr rund ums Messegelände hielt sich in Grenzen. Einzig allein das Wetter war nicht so pralle. Die Fahrt über hat es diverse Male geregnet – also eigentlich perfektes Messewetter. Allerdings geht Tina alleine auf die Messe, ich habe sie also nur abgesetzt und ich bin mit Damie in die Natur gefahren. Quasi kaum in der Großstadt und direkt wieder geflüchtet.


Ich wollte immer schon in den Taunus und so bin ich in das 40 km entfernte Oberjosbach gefahren und wir haben von dort den Wald erkundet. Den Parkplatz hatten wir bereits vorher als möglichen Place to be für die Nacht ausgesucht und er eignet sich wirklich ganz gut. Mitten im Wald, in der Nähe eines Wohngebietes und wenig frequentiert, also klar sind dort Wanderer und auch Menschen mit Hunden. Aber für einen Wanderparkplatz ist hier verhältnismäßig wenig los. Doch erstmal steht der Tag an.

Es gibt im Rhein-Taunus Naturpark verschiedene Routen, die mehr oder weniger befestigte Wege enthalten. Wir sind – natürlich – erstmal keine dieser Routen gegangen. Das schöne ist hier nämlich, dass es abseits der ausgeschilderten Wege auch viele weitere Wege gibt. Diese sind so 2-3 Meter breit und reiner Waldboden, ohne künstlich angelegten Schotter oder ähnlichem. Die Natur im Herbst ist, für mich, vermutlich die Schönste. Die Bäume bekleiden sich mit Moos, manche sehen wirklich aus, als würden sie sich etwas anziehen. Unzählige verschiedene Grün- und Brauntöne, mittendrin rote, weiße und gelbe Flecken – Pilze. Gerade wenn es geregnet hat, erhalten alle Farben zusätzliche Brillianz. Einfach unfassbar schön. Leider habe ich überhaupt keine Ahnung von Pilzen und würde deshalb auch keine sammeln, aber ich finde es absolut faszinierend, wie und in welcher Vielfalt sie überall sprießen. Ich bewundere, was die Natur da von sich gibt.

Damie hat es auch super gefallen. Er hat eine Fährte aufgenommen und ich habe ihn einfach mal machen lassen. So sind wir kreuz und quer, hin und her durch ein kleines Waldstück, bis seine Schnüffelnase uns irgendwann an eine Gabelung des offiziellen Weges geführt hat. Damie genießt es auch total wenn wir im Wald unterwegs sind, er liebt Nasenarbeit und das Schöne daran ist, dass er sich dann kaum von umgebenden Eindrücken beeinflussen lässt. Nasenarbeit ist für ihn Spaß, Arbeit, Herausforderung und auch Therapie. Übrigens… warum Damie etwas special ist, wir diverse Situationen meiden und wie wir mit ihm arbeiten, dazu gibt es nochmal einen ausführlichen Beitrag.

An der Gabelung haben wir natürlich wieder nicht den normalen Weg gewählt. Stattdessen sind wir einen Weg rein, der total unberührt aussah – das sieht natürlich bei so viel Laub auf dem Boden nur so aus – aber egal. Es war super schön und am Ende des Weges ging es ziemlich steil bergauf. Wir sind an einem abgeholztem Bereich gelandet. Überall lagen Stämme, Äste und Gestrüpp. Aber ich wollte da hoch – und Damie sowieso. Vorsichtig sind wir hoch gelaufen, teils waren richtige kleine Krater von herausgerissenen Bäumen vorhanden, sodass ich aufpassen musste, dass sich keiner von uns verletzt. Als wir oben angekommen sind, konnten wir über die Bäume hinweg ein Panorama von Wäldern und Städten sehen – das war schon gigantisch.

Und wie es so ist: Angekommen an einem Punkt, zieht mich die Neugierde weiter. Ein Stück weiter war ein weiterer gerodeter Bereich direkt an einem Waldstück in dem scheinbar viel gejagt wird, jedenfalls sind hier einige Hochsitze. Auch hier mussten wir uns wieder durch Geäst kämpfen, wurde dann aber mit einem weiteren Panorama, diesmal mit kleinen Dörfern, belohnt.

Im Boden hier sind ganz viele weiße Steine. Als ich so etwas das erste Mal sah, dachte ich es wär von der Jagd ein Köder – sah aus wie ein großer Brocken Schmalz oder so. Nachdem es mehr wurden, habe ich das mal berührt und zu Hause nach Recherche festgestellt, dass der Taunus für seinen grau-weißen Quarz bekannt ist.

So langsam haben wir uns wieder auf den Weg zum Auto gemacht. Zurück wollte ich ein Stück ausgeschilderten Weg laufen – den Einhörnchen-Pfad entlang. Wie sich herausstellte, hat sich dadurch der Untergrund auf dem Großteil der Strecke nicht geändert. Auch hier sind wir über Bäume geklettert – ein wahrer Naturpark eben.

Wir sind über zwei Stunden durch den Wald gesteppt, haben nur eine Person gesehen und trotz 90%iger Regenwahrscheinlichkeit, kam kein Tropfen runter. Besser gehts doch kaum. Eine gute Entscheidung hierher zu kommen.

Zurück am Auto haben wir gechillt, ich habe gelesen und gegen 17.30 Uhr sind wir wieder nach Frankfurt um Tina abzuholen.


Tina hatte sich entschieden, auch am Sonntag noch zur Buchmesse zu fahren. Bis jetzt hatten wir es uns noch offen gehalten, ob wir über Nacht bleiben oder nicht. Da der Taunus doch schon ziemlich weit von der Messe entfernt ist, haben wir uns einen anderen Parkplatz für die Übernachtung ausgesucht – laut Park4Night abgelegen am Waldrand mit Blick auf die Frankfurter Skyline. Sehr vielversprechend also. Es gab allerdings einen entscheidenen Unterschied zu bisher allen anderen Übernachtungen: Die Sonne geht gerade unter, d.h. wir kommen im Dunkeln an. Das nahmen wir in Kauf. Auf ging’s.

Denkste. Ungefähr 30 Minuten später waren wir immer noch etwa dort, wo wir gestartet sind. Wir standen nicht nur in meinem (möglicherweise) größtem Verkehrschaos, zusätzlich wurde vor uns gerade die Brücke über den Main gesperrt, über die wir zwangsläufig rüber mussten. Wir konnten es drehen oder wenden wie wir wollten, wir kommen hier nicht raus. Also haben wir kurzerhand entschieden einen anderen Parkplatz (wir haben eigentlich meist eine Alternativ in petto) aufzusuchen. Dieser ist an einem Waldsee auf „unserer“ Seite des Mains und liegt parallel zu einer viel befahrenen Straße.

Als wir angekommen sind, war dort ein Auto was kurze Zeit später gefahren ist. Da es stockduster war, konnten wir uns nicht umschauen. Nichtsdestotrotz haben wir uns etwas zu essen gemacht – der Ort hier ist schließlich nur zum Schlafen und morgen früh geht es zeitig wieder los. Doch als wir gegessen haben, kam genau dieses Auto wieder. Eine (sorry) Prollokarre, es lief laut „Gangster“-Musik und wieder hat die Person sich in die letzte, auch bei Tageslicht nicht einsehbare, Ecke gestellt und ist geblieben.

Wenn das ein Camper gewesen wäre, hätten wir uns überhaupt keine Gedanken gemacht – aber was will jemand „Nachts“ (weil dunkel – es war ja gerade mal 20 Uhr) mehrfach auf einem abgelegenen Parkplatz am See, in unmittelbarer Nähe zur Stadt? Das war uns nicht geheuer und die Sicherheit steht immer an erster Stelle. Also haben wir kurzerhand beschlossen, die zwei Stunden zurück nach Hause zu fahren und statt einem Messe- und Adventure-Tag einen ruhigen Sonntag zu verbringen.