Dänemark,  Mikro-Camper,  Unterwegs

Mal kurz nach Dänemark

Anfang Oktober, Brückentag und somit fünf Tage frei. Wir wollten ans Meer, an die niedersächsische Nordsee und hatten auch schon geschaut wo wir in etwa lang fahren. Doch dann waren laut Wettervorhersage und Regenradar vier Tage Regen angesagt. Da hat man natürlich keine Lust zu.

Kurzerhand haben wir dann beschlossen einfach dort hin zu fahren, wo am wenigsten Regen angesagt war. Und so hat am Donnerstag, nach wenigen Stunden Schlaf, früh um 3 Uhr der Wecker geklingelt. 


Über Hannover, Hamburg und Flensburg ging es die 650 Kilometer Autobahn nach Dänemark und um 11.30 Uhr sind wir auf Rømø über den Strand gefahren. Das war schon ziemlich beeindruckend. Es standen diverse Autos, Vans und Wohnmobile am Strand verteilt. Manche haben gefühlt ein ganzes Drachenfest veranstaltet, andere haben einfach nur in ihren Fahrzeugen gesessen. Die Insel erreicht man übrigens über eine Verbindungsstraße, wodurch der Tourismus natürlich fliesend ist. Am Strand hatten wir ein Auto gesehen, das von einem weniger vollen Strandabschnitt kam und so sind auch wir dort hin. Der Sand wurde weicher und das Auto kam schon leicht ins schwimmen, was bei Sand eigentlich recht schnell geht. Jedenfalls hatte ich keine Lust mich festzufahren und bin umgedreht. Wie sich schnell feststellte war das eine äußerst kluge Entscheidung. Den Blicken mancher Spaziergänger zur Folge – und auch der Tatsache, dass kein anderes Auto in der Nähe ist, stimmte hier etwas nicht. Zurück am vollen Strandabschnitt, haben wir dann das Durchfahrtsverbot gesehen. Glück gehabt! Aber das kann uns keiner mehr nehmen. … und irgendwann, irgendwo, fahre ich mal mit dem Auto auf einer Sandpiste, schneller und auch ein bisschen unvernünftig. 

Der Strand ist jedenfalls echt schön und es wäre unglaublich toll gewesen, dort ein paar Stunden zu bleiben. Allerdings haben wir Damie und für ihn wären diese ganzen Eindrücke, insbesondere die Kinder, Hunde und Drachen, nur Stress, demnach für uns natürlich auch. Von 21 – 7 Uhr ist dort am Strand und auch in der Umgebung auf ganz vielen Parkplätzen übrigens Parkverbot, eine Nacht am Strand war daher eh nicht angedacht. Und so sind wir sind auf der Insel noch etwas spazieren gewesen, haben unser Traumhaus (bitte aber an einem anderen Ort) gefunden und haben wieder das Festland angesteuert.


In Skærbæk (genau genommen bei Vester Gasse) haben wir einen Parkplatz gefunden der auf einem erhöhtem Feld mit vier ehemaligen Sicherungsbunkern der kaiserlichen Armee von 1916. Umzu Felder, im Norden in etwas Entfernung ein Wald, und im Westen Blick auf Rømø und Mandø , herrlich. Es war 15 Uhr und wir haben im Auto gelesen und gechillt. Lediglich zwei Mal kam eine Person mit Hund zum spazieren, aber ansonsten war es eine herrlich Stille. Wir waren für uns.

Die erste Nacht in unseren neuen Schlafsäcken mit 3 Grad Komforttemperatur. Für Damie hatten wir eine Bettdecke dabei und zusätzlich haben wir die beiden Fenster der hinteren Türen isoliert. Obwohl wir die Fenster einen kleinen Spalt geöffnet hatten war es richtig angenehm warm – bei 7 Grad Außentemperatur. Lediglich der nächtliche Platzregen hat uns kurz aufschrecken lassen. Es hatte auf einer Seite etwas reingeregnet und somit musste ich nach vorne hüpfen und das Auto starten um die Fenster zu schießen. Das ist übrigens bisher der einzige Minuspunkt am Duster II – die Fenster lassen sich nicht lediglich mit eingeschalteter Zündung öffnen oder schießen, dafür muss erst der Motor gestartet werden. 

Wir sind noch bis Mittag geblieben. Um frische Luft zu bekommen, aber vor Wind geschützt zu sein, haben wir das Tarp am Kofferraum befestigt. Das hatte den weiteren Vorteil, dass die Handtücher aufgehängt trocknen konnten, während wir Kaffee getrunken und relaxt haben. 


Unser nächstes Ziel war der Parkplatz vor Mandø, also die Stelle wo man mit dem Auto bei Ebbe über den Damm fahren kann. Wir wollten nicht rüber, aber uns das mal anschauen. Schon irgendwie beeindruckend, keine Sicherheitsvorkehrungen, lediglich der Hinweis, dass man die Tide kennen sollte bevor man rüber fährt – besser wäre das, schließlich fährt man durch die Nordsee.


Etwa 10 Kilometer nördlich an der Fanø Bucht haben wir einen Parkplatz bei einer kleinen Schleuse gefunden direkt am Deich gefunden. Der Platz ist eigentlich ziemlich schön. Hier ist ein kleiner Anleger für Kanuten, ein Grillplatz und Holzshelter die zur Übernachtung einladen. Aber es sollte noch creepy werden. 

Den Nachmittag haben wir auf Deich verbracht, die Aussicht genossen und uns von der Meerluft durchpusten lassen. Zwischendurch fährt mal ein Auto vorbei, aber sonst ist es recht ruhig.

Da für den frühen Abend Regen angesagt war und bereits zum 19 Uhr die Sonne untergeht, haben wir schon zeitig gegessen. Das Kochen haben wir in eine der Hütten verlegt, weil es schon sehr windig und kalt war. Auf den zweiten und dritten Blick ist es hier etwas creepy. Das herunter gebrannte Lagerfeuer, die angekokelten Äste und eine Matratze die hier irgendwer hingeschmissen hat, wurde davon getoppt, was Damie als Fährte aufgenommen hat: Das Skelett eines Rehs. Zumindest lassen die noch befellten Beine vermuten, dass es ein Reh war.

Nach dem Essen haben wir zügig das Auto für die Nacht vorbereitet, kaum lagen wir fing es auch schon an zu regnen und kurze Zeit später ging die Sonne unter. Es war stockfinster. Wir hörten die Schüsse der Jäger in der Entfernung, September/Oktober, die Jagdsaison. Dann näherte sich ein Auto, es fuhr ganz langsam an uns vorbei und blieb wenige Meter entfernt stehen. Eine Person stieg aus und näherte sich uns mit der Taschenlampe rumfuchtelnd. Die Rückleuchten leuchteten rot, das Auto war noch an. Die Person ging zum Holzhüttenklo, verschwand wieder im Auto und fuhr weg. 

Puh, wie gut.

Dann etwas zwei Stunden Ruhe. Als wir später nochmal raus sind um uns die Zähne zu putzen, konnten wir unzählige Sternen sehen. Und dann war da wieder ein Lichtkegel. Ein Auto fuhr heran, doch wir konnten nichts erkennen, es war stockfinster. Direkt vor uns hielt es fast an, wendete und war wieder in der Dunkelheit verschwunden. 

Hier sind wir wirklich wie in der Platzbeschreibung stand: Dem Himmel sehr nah. 

Samstag Morgen, 8 Uhr. Die Nacht war super ruhig und angenehm warm. Der Sonnenaufgang über den Wiesen war auch sehr schön, keine weitere creepy Situation.  Ein älterer Herr stand bereits mit einem Fernglas auf dem Deich. Wir haben noch eine Zeit gechillt und dann beschlossen, Richtung Mandø zu fahren.


Auf dem Weg sind wir noch an einer Tankstelle angehalten um zu tanken und unserer Wasservorräte aufzufüllen. Wir haben übrigens immer 3 x 0,6 Liter in kleinen Trinkflaschen und zusätzlich 2 x 5 Liter Wassertanks mit. Damit kommen wir zwei Tage aus, d.h wir sind zwei Tage autark. An der Tankstelle gab es einen Unterschied zu Deutschland. Bevor getankt wird, wird das Zahlungsmittel auf Bonität geprüft und das erfolgt mittels Automaten an der Zapfsäule. Man muss zum tanken also nicht in die Tankstelle, finde ich sehr praktisch. Einen Supermarkt haben wir auch noch besucht, wir lieben es durch einen Markt zu schlendern und nach Spezialitäten Ausschau zu halten. Und dieses Mal konnten wir veganen Schafkäse gefunden, wir sind so gespannt!


Mandø ist total schön. Die Fahrt über den Damm ist irre. Man fährt über den Deich und kommt auf eine eine paar Meter breite Schotterpiste die rechts und links in das Meer übergeht. Wenn jemand entgegen kommt, wird ganz langsam gefahren oder stehen geblieben. Die beiden Seiten sehen übrigens sehr unterschiedlicher aus. Richtung Norden viele Gräser und gen Süden Watt, eine super interessante Landschaft und tolle Erfahrung diese zu fühlen. 

Auf der Insel sind wir durch den kleinen Ort gefahren und haben dann entlang des Deiches die Insel umrundet, das sind ca. 10 Kilometer, also wirklich nicht weit. Unterwegs haben wir am Deich ein kleines Picknick mit Brotstullen und Kaffee  gemacht. Es war super windig und eisigkalt. Dennoch haben wir es geschafft, dass die Flamme des Gaskochers nicht erlischt, klar wir hätten den Kaffee auch am Auto windgeschützter zubereiten können, aber so eine kleine Challenge gegen den Wind ist ja auch mal  eine Herausforderung. Es war jedenfalls wirklich gemütlich. Aufgrund des Windes und der Annahme, dass dieser im Laufe des Tages und erst recht gegen Abend nicht weniger wird, sind wir danach wieder aufs Festland. Denn bei der Kälte ist es kein Spaß, sich draußen Abendessen zu machen geschweige denn sich schlaffertig zu machen. 

Hier sind übrigens super viele Schafe die frei laufen, ohne Zaun, die stehen dann auch einfach auf der Straße. Ich finds super! Und wir haben einige verschiedene Greifvögel gesehen. Eine wirklich schöne Insel mit viel Ruhe und noch viel mehr Natur. 


Nach unserer Pause am Deich sind wir ins Landesinnere an einen See gefahren. Der liegt direkt am Wald und ist wirklich schön, viele Angler saßen in ihren Booten und starrten ins Wasser. Eigentlich wollten wir bleiben, aber irgendwas trieb uns weiter, vielleicht die Männer, die hinter unserem Auto blank gezogen haben um zu Baden. 

Wir sind weiter Richtung Osten. Die Landschaft hier ist eine ganz andere, es wird hügelig, mehr kleine Wälder und Kornfelder. Im Westen Dänemarks haben wir lediglich Maisfelder gesehen und ausschließlich Flachland. Das hat ja den Vorteil, dass wir schon drei Minuten vor Ankunft eines Autos sehen konnten, dass dort jemand kommt.


Kurz vor der dänischen Südsee, bei Hotrup, waren wir am See Slisvo alleine. Direkt am See, mit Tischen und Bänken. Ein wahrer Glückstreffer. Abendessen gab es mit Sonnenuntergang, schöner geht’s fast nicht. Allerdings war die Suppe nicht ganz heiß, da unsere Gaskartusche gerade leer geworden ist.

Die Nacht war super und wir sind recht früh aufgestanden. Da wir keine zweite Kartusche Gas dabei haben, fällt das Frühstück heute aus. Es ist Sonntag, wo bekommen wir Gas her? Erste Anlaufstelle ist ein Camping Ressort ein paar Kilometer weiter, leider hat der Shop jedoch erst ab  10 Uhr geöffnet und wir wollten nicht deine halbe Stunde warten. Der Weg dort hin ist allerdings so wundervoll. Es ging etwas hoch durch die hügelige Landschaft und wir konnten auf den See herabblicken an dem wir übernachtet haben, ein See in mitten von Feldern, ohne Übertreibung ist das eine kleine Toskana dort. 

Der Campingplatz liegt direkt an der Genner Bucht und so konnten wir noch etwas Meerluft schnuppern. Nachdem auch ein Supermarkt (die in Dänemark übrigens Sonntag geöffnet haben) keine Gaskartuschen hatte sind wir weiter gefahren – über die Grenze zurück nach Deutschland in die Lüneburger Heide.


Die Fahrt war unfassbar anstrengend und nervig. Bei Hamburg haben wir für Strecke von 15 Kilometern 2,5 Stunden gebraucht und wir standen nicht – es ging jede Minute zwei Meter voran. Umfahren war nicht sinnvoll, wir mussten ja schließlich über die Elbe. In der Lüneburger Heide angekommen ging es dann ähnlich nervig weiter. Erst haben wir ein paar Tankstellen abgeklappert, allerdings hatte keine davon Gas. Und dann waren die Parkplätze recht voll und Damie war nach der Fahrt so aufgeregt/anstrengend, dass wir nicht in Ruhe mit ihm laufen konnten. Wir haben dann beschlossen weiter zu fahren, Tina hat uns währenddessen Brote geschmiert und mit Stulle am Steuer hat es uns gestärkt und mit neuer Motivation noch in die Nähe von Sittensen getrieben. Auf einem nicht ausgeschildertem Parkplatz (ob das wirklich einer war, ich bezweifle es) im Wald ist es schön einsam. Wir konnten noch ein Stück spazieren, viele Pilze entdecken und einen Geocache ausfindig machen. Den Abend lassen wir in Ruhe mit Buch und Bierchen ausklingen. Aus dem heutigen Tag lernen wir mal wieder, dass nicht jeder Tag draußen grandios ist. Und doch wird uns Abends wieder bewusst, dass wir am Morgen mit Sonnenuntergang am See aufgewacht sind, danach das Meer gesehen haben und jetzt wieder inmitten der Natur sind und lauschen können, welche Geräusche der Wald von sich gibt. Und dann rücken die weniger schönen Stunden auch schon wieder in den Hintergrund.

Die Nacht hatten wir nur 1 Grad Außentemperatur. Die Temperatur im Auto ist dann schon wirklich kalt, aber solange wir im Schlafsack bleiben, ist es muckelig warm. Ich glaube da gehen auch noch ein paar Grad weniger ohne Probleme. Alles in allem waren es mal wieder super schöne Tage und ein perfekt genutztes verlängertes Wochenende. Es tut doch immer gut, mal raus zu kommen.