Gedankenstrudel,  WoMo-Leben

Chemie und Plastik oder Bambus für den Hintern?

Vielleicht ahnt ihr schon um welches Thema es geht. Das, worüber kaum wer sprechen möchte. Dennoch muss sich jede*r damit zwangsläufig beschäftigen, um nicht schlichtweg überzulaufen. Unter Campern ist es ein ganz normales Thema: Die Toilette.

In der Regel ist es im Steinhaus so, dass man zum Klo geht wenn man muss. Mehr als Spurenbeseitigung und das Betätigen der Spülung wird nicht erwartet – denn um alles was danach folgt, kümmern sich andere. Im Camper ist das anders. Ob Bulli, Van, Wohnmobil oder Luxusliner, ob Selbstausbau oder von der Stange: Was im Klo landet, bleibt im Fahrzeug und muss entsorgt werden. Es gibt auch einige, die die Bord-Toilette nicht nutzen und stattdessen auf sanitäre Einrichtungen auf Campingplätzen oder anderswo zurückgreifen. Aber das ist für natürlich uns überhaupt keine Option.

Toiletten gibt es inzwischen viele verschiedene. In der Regel ist in fertigen Campern eine Chemietoilette verbaut. Darüber hinaus gibt es noch Komposttoiletten, Verbrennertoiletten und Trockentrenntoiletten. Bei einer Komposttoilette ist das Ziel, wie der Name vermuten lässt, alles zu kompostieren. Zum Schluss bleibt Erde, die wieder in den Kreislauf der Natur übergehen kann. Auch bei der Verbrennertoilette verrät der Name, was passiert. Es wird verbrannt – zum Schluss bleibt nur Asche. Super interessant, weil hier dann sogar die Entsorgung gegen Null geht. Da ich überhaupt keine Erfahrung mit diesen beiden Arten der Toilette habe, kann und möchte ich gar nicht mehr dazu schreiben.

Wir hatten eine Chemietoilette und haben diese letztes Jahr gegen eine Trockentrenntoilette getauscht. Ursprünglich war der Plan, das erst später umzubauen. Nach nur wenige Wochen Leben in der #karlakiste, hatten die Nase gestrichen voll – gerade geruchlich betrachtet, kann das wörtlich genommen werden. Die verbaute Thetford Cassettentoilette war vermutlich genauso alt wie das Wohnmobil. Da haste keine Lust zum Klo zu müssen. So oder so ist das keine schöne Angelegenheit. Pinkeln geht ja noch, aber alles darüber hinaus ist einfach – ne, will ich nicht. Ihr müsst euch das so vorstellen: Über eine Serviceluke von außen wird eine Klokassette eingeschoben, meist so mit 22 Liter Fassungsvermögen. Von innen, also dem Klo, sieht man einen Schieber. Ist dieser geöffnet, flutscht alles in die Kassette. Sitzt man auf Klo und öffnet den Schieber vorher, stinkt es. Lässt man ihn geschlossen, dann besteht die Gefahr, dass war hängen bleibt – nicht schick. Zumal dieser Schieber bei uns geklemmt hat. Die Spülung ist übrigens auch ziemlich lahm, so richtig Druck auf der Leitung ist nicht und überall hin kommt der Wasserstrahl auch nicht.

Während der Fahrt war es dann oft so, dass über den Außenlüfter die Luft durchs Klo zurück ins Wohnmobil geleitet wurde. Wenn es dann plötzlich von hinten stinkt … und auch die besten Zusätze helfen da nicht 100 % zuverlässig.

Ah und die Entsorgung. Yippie, eine riesige Freude. Ironie off. Wir hatten zwei Kassetten, 2 x 22 Liter sind schneller voll, als man denkt. Spätestens nach vier Tagen ging der Spaß los. Wenn dann endlich eine Entsorgungsstation gefunden wurde, muss die schwarze Plörre ausgekippt werden – und bloß darauf achten, die Entlüftung zu betätigen, sonst schwappt und spritzt es. Und ihr glaubt gar nicht, wie Menschen mit den Stationen umgehen – es war einfach ekelig.


Nach sechs Wochen haben wir uns dann eine Trockentrenntoilette von Kildwick gekauft.

Es gibt natürlich noch viele andere Hersteller, das Modell Miniloo hat uns jedoch am besten gefallen. Sowohl von der Größe, als auch von der Optik. Wir haben uns für den Bausatz entschieden. Doch bevor wir mit dem Zusammenbau und dann Einbau begonnen haben, musste unsere alte Toilette raus. Das sind nur ein paar Schrauben, ein Kabel für die Pumpe und ein Wasserschlauch. Damit, dass die Toilette vollflächig mit Sikaflex verklebt ist, haben wir nicht gerechnet. Das zu lösen, war dann auch der schwierigste Part.

Das Zusammenbauen des Miniloo hat Spaß gemacht. Ihr müsst euch unsere Toilette so vorstellen: Die „Außenhülle“ ist ein Holzkasten mit Deckel zum Aufklappen. Ist der Deckel aufgeklappt, sind Klobrille und Einsatz zu sehen. Unsere Brille ist übrigens aus Bambus – da freuen sich die Pobacken! Der Einsatz hat hinten ein großes Loch und vorne ein kleines, das einem Trichter ähnelt. Unter dem Einsatz sind zwei Behälter, vorne der Urinbehälter und hinten ein Eimer mit Tüte. Neben unserer Toilette haben wir einen großen Eimer mit Kleintierstreu. Beim Toilettengang läuft der Urin vorne über den Trichter in den dafür vorgesehenen Behälter, Festes fällt hinten in den Eimer und wird, wenn fertig, komplett mit Streu abgedeckt. Durch die Trennung von flüssig und fest, riecht es überhaupt nicht. Wasser zum Spülen wird ebenfalls nicht benötigt, wodurch wir viel Wasser sparen. Das Toilettenpapier entsorgen wir separat in einem kleinen Eimer, manche schmeißen es auch in den Feststoffbehälter. Damit während der Fahrt nichts überschwappen kann, haben wir einen Stöpsel, mit dem wir den Trichter zum Urinbehälter verschließen.

Die Entsorgung ist sehr einfach. Die Feststoff-Tüte kann einfach im Hausmüll entsorgt werden, das ist bei uns etwa einmal die Woche notwendig. Den Urinbehälter leeren wir an Entsorgungsstationen, sofern wir zufällig bei einer sind oder aber in der Natur wie auch Hund oder Katz, denn Urin ist sehr guter Dünger. Das ist bei unserem 9,5 Liter Behälter alle 1,5 bis 2 Tage notwendig.

Die Trockentrenntoilette ist für uns die beste Anschaffung im Wohnmobil. Wir vermeiden jegliche öffentliche Toilette, was auch aus gesundheitlichen Gründen eine sehr gute Entscheidung ist. Mit dem Chemieklo war das nicht der Fall. Wenn wir das noch hätten, würden wir auch auf Stellplätzen die sanitären Anlagen nutzen. So wie jetzt, bevorzugen wir ausnahmslos immer unser eigenes Klo – es ist hygienischer, gemütlicher und Bambus am Po ist schon toll.